Freitag, 2. Januar 2015

In was für einer Welt wollen wir leben?

Liebe Leser,

Vorsicht, dies wird ein Rant, denn ich bin sauer! Wütend auf eine 
 Gesprächspartnerin, einen Gesprächspartner und eine Weltsicht.

Es fing mit einem unverfänglichen Plausch mit einer entfernten Verwandten an. Es ging um Rechte und Pflichten in der Ehe, was muss man teilen, was darf jeder für sich alleine haben. Sie erzählte dann, sie hätte neulich eine Brieftasche gefunden und von dem Geld hätte sie natürlich was für sich gekauft. Ich fragte, ob der Finderlohn denn so hoch gewesen wäre und wurde verständnislos angeglubscht. Natürlich hätte sie das Portemonnaie behalten. Das würde doch jeder tun. Mir gibt doch auch keiner was wieder. Keiner schenkt Dir was, wenn Du es Dir nicht nimmst.

Ich war sprachlos. Wirklich? So sieht sie die Welt? Das ist einfach traurig für sie, dachte ich und sprach das bei einem anderen Gespräch an. Reaktion: man hätte die Papiere zurückgeschickt, aber das Geld behalten. Uns würde ja auch keiner was zurückgeben.

Und als ich dann für diesen Artikel recherchierte, fand ich vorwiegend Fragen in Foren: "Ich habe ein Portemonnaie gefunden. Kann mir was passieren, wenn ich es behalte?" Viele Antworteten: "Nimm Dir das Geld. Dir würde ja auch keiner was zurück bringen!

Woher nehmen diese Menschen Ihre Erfahrungen? Mir wurde schon mal etwas zurück geschickt. Ich gab schon häufiger etwas ab. 

Dieses fehlende Unrechtsbewusstsein regt mich auf. Diese Weltsicht: sind doch eh alle Menschen schlecht, warum sollte ich das das Vernünftige, das Richtige, das rechtlich einzig Vertretbare tun?





Eben darum! Wenn wir meinen, dass es dunkel um uns herum ist, sollten wir das Licht sein. Meine Tochter sang gerade in der Schule: 

"Kleines Licht, bist Du auch winzig, 
strahle in die Welt hinein.
Bring uns liebe, Wärme Hoffnung,
niemand soll alleine sein!"

Daran muss ich oft denken. Wir wir handeln, wie wir unser Leben und andere Menschen sehen, wird die Welt um uns herum beeinflussen. Wir als Eltern haben da ja noch weitere Gedankenpflicht. Was wünsche ich mir, was meine Kinder für Menschen werden? Was sollte ich dann vorleben.

Ich gebe zu, ich bin da extrem. Ich gehe nicht bei rot über die Straße, ich sage Verkäuferinnen, wenn sie sich beim Wechselgeld verzählen, ich blinke auch dann, wenn ich alleine auf der Straße bin, ich werfe nie Müll auf die Straße. Ich halte mich einfach an Regeln, von denen ich möchte, dass mein Kind sie später beherzigt. Ich möchte, dass sie nicht nur klug und humorvoll und glücklich wird, ich wünsche mir auch, dass sie ein guter Mensch wird. 

Wie verträgt sich das damit, dass ich fremden Menschen Ihr Geld stehle und billigend in Kauf nehme, dass der Besitzer viel Geld uns Nerven investieren muss, um alle Unterlagen neu zu beschaffen. Und ich hatte auch in Erinnerung, dass man verpflichtet ist, Gefundenes abzugeben. Ich habe das mal eben für Euch recherchiert. Laut Strafgesetzbuch, genauer § 246 Abs. 1 StGB iVm § 965 BGB ist es Unterschlagung, eine gefundene Sachen nicht abzugeben. Eine Straftat.

Eine, die offensichtlich akzeptiert und hingenommen wird. Ich mache da nicht mit. Ich halte mich an Gesetze und meine Moralvorstellungen und ich sehe viele tolle Menschen um mich herum, die es auch tun. Es geht mir nicht um diesen unterschlagenen Geldbeutel. Es geht mir um die Einstellung.

Nennt mich naiv, aber ich glaube daran, dass unsere kleine Welt um uns herum gut sein kann und ich sehe viele Beweise dafür. 

Seid ein Teil davon. Lasst Euch einfach nicht runterziehen!

Liebe Grüße,
Eure Endwinterwunder (inzwischen wieder ruhiger)

Kommentare:

  1. Oh ja, ich kann Dich so verstehen. Leider ist das nur die Spitze des Eisberges - und damit möchte ich das in keiner Weise in seinem Wert mindern.

    Es macht mir manchmal Angst und es macht mich traurig wenn ich das so beobachte. Als Mama einer Tochter habe ich Angst davor das ihr was passiert - als Mama eiens Pfelgesohne hab ich Angst das ihm was passiert - aber ich kann will und darf unser Leben nicht von Angst beeinflussen lassen und daher hilft es nur den Kindern das vor zu leben was wir uns wünschen und heller zu strahlen als es alles negative um uns herum tut.

    Seien wir einfach positiv und strahlen - und nein, dass ist manchmal echt verdammt scher, aber wenn wir es nicht tun, dann macht es vielleicht niemand...

    Liebste Grüße
    JesSi Ca

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  2. Absolut, da gibt es so viel. So viel Verrohung und Gleichgültigkeit! Aber nicht mit uns!

    Wie sagt meine wunderbare Bee immer, wenn sie etwas einfach beschließt, zum Beispiel, dass morgen die Sonne scheinen wird: SO!

    Wir machen das einfach nicht mit. SO!

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    1. Oh ja und genau das habe ich aus dem Tolla-Büro mitgenommen dieses Gefühl. Momentan habe ich es nicht einfach diesem die Oberhand zu gewähren, aber ich werde es ganz schnell wieder und dann um so strahlender!!!

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  3. Ich danke Dir meine Liebe! Das tut so gut zu lesen. Manchmal fühle ich mich echt auch wie so ein Einzelkämpfer. Man wird ja echt schon dumm angeschaut, wenn man der Kassiererin was zurück gibt weil sie sich vertan hat. Ich bin da wie Du. Letztens hatte ich echt Krach mit meinem Mann, er hat überholt obwohl durchgezogene Linie und so. Es war echt einsam auf der Straße und keine Gefahr, wir hatten es null eilig. Ich fand das nicht ok, die Jungs saßen hinten. Mein Mann verstand nicht warum mich das so geärgert hatte. Ich sagte: "deine Kinder sollen sich an gewisse "Regeln" halten, nicht bei Rot über die Straße gehen aber Du darfst überholen im Überholverbot "nur weil es grad nicht schlimm ist und keiner sieht?"
    Ich kann nicht anders, meine Eltern haben mir das vorgelebt. Ich habe schon oft was verloren, ich weiß wie schlimm sich das anfühlt. Und ich musste auch schon sehr oft viel und hart arbeiten, für mich hat das Wert. Ich könnte es nicht behalten, was mir nicht gehört.
    Und ich möchte, das meine Kinder mal genau so darüber denken.
    Danke für Deine Worte. So! (;-))
    Tanja

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  4. Wenn wir unseren Kindern nicht vorleben sich an gewisse Regeln zu halten. Warum sollten sie dann welche befolgen?
    Du machst das genau richtig. Lieber ein bißchen zu spießig als nachlässig damit umgehen.
    Hier sind die Mädels bereits noch spießiger als ich und ich werde schon von der Rückbank gerügt, wenn ich nur bei helgelb über die Ampel fahre.

    Liebe Grüße
    Suse

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  5. Hach.. ein schöner Artikel !
    Ich bin stolz darauf, dass meine Kinder niemals Müll einfach so wegwerfen.. dass sie Menschen helfen, wenn sie Not sehen..
    und dass sie alten Leuten einfach so die Einkaufstaschen tragen...
    Wie kann man Kinder erziehen, wenn man sich selbst um so wichtige Dinge keine Gedanken macht?
    Dann ist es klar, dass sie niemals anderes erleben - weil mit ihren Kindern die Anzahl solcher Ignoranten weiter steigt.
    Liebste Grüße
    Linda

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  6. Du machst das gut und richtig und bist ein gutes Vorbild! Ich verstehe diese Sicht auf die Welt auch nicht und es ist immer wichtig, etwas zurück zu geben, was einem nicht gehört. Wegschauen tun schon so viele. Ich find's selbstverständlich, hinzuschauen und zu helfen, wenn ich kann.
    Wer weiß, wie es demjenigen geht, der es verloren hat? Vielleicht das letzte Geld diesen Monat, um etwas zu essen für sich und die Kinder zu kaufen? Oder Geld für das Parfum, das man schon so lange haben wollte? Der Mensch dahinter zählt. Und wie kann ich ruhigen Gewissens schlafen oder in den Spiegel schauen, wenn ich etwas behalte, das mir nicht gehört? Ich könnte es nicht!
    Wir können es unseren Kindern vorleben und dadurch vielleicht die Welt, zumindest unsere eigene, etwas besser machen.
    Mach weiter so! Danke für diesen Artikel!

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  7. Da hast du einen wirklich wichtigen Artikel geschrieben. Danke!
    Ich frage mich auch so oft,was in der Welt abgeht und wie krass die Leute teilweise sind. Aber erst letztens im Tierpark hat uns jemand sein Parkticket weitergeben, neulich hat uns eine Fremde 10 Euro für einen Kaffee zugesteckt, weil sie uns "als Familie so süß" fand. Über so etwas freue ich mich immer extrem. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt ;-)

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  8. Danke, danke, danke...ich bin beruhigt, dass es nicht nur mir so geht, sondern auch anderen und wenn man die Kommentare liest, merkt man, dass man nicht alleine auf weiter Flur ist...so selbstverständliche dinge gehen immer mehr verloren...hallo, danke, bitte, tschüß...das einhalten von regeln...wozu? das macht mich ebenfalls traurig und wütend...und die meisten merken noch nicht einmal, dass sie so sind, wie sie sind und das macht mich noch trauriger...

    danke, dass du mir einen Lichtblick gibst und die vielen Kommentatoren *hihi*

    Ganz liebe Grüße, Anja

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  9. Normalerweise gehöre ich auch zu den Menschen wie du, denn nur, wenn ich selbst ehrlich handle, kann ich von meinem Umfeld erhoffen, dass es auch so handelt.

    Ich habe mal auf der Frankfurter Buchmesse versehentlich einen Bildband mitgenommen, weil ich dachte es sei ein Katalog des Verlages. Als ich den Verlag daraufhin anrief, weil ich ihn zurückschicken wollte, durfte ich ihn behalten. Jedes Mal, wenn ich den Bildband nun sehe, freue ich mich, da er nun wie ein Geschenk ist.

    Ein andermal war ich in einer großen Stadt zum shoppen unterwegs. Ich hatte damals eine Tasche mit Magnetverschlüssen und an einem dieser war in einem Krimskramsladen ein kleiner Schlüsselanhänger hängen geblieben. Dies merkte ich jedoch erst, als ich später im Restaurant meine Tasche auf den Schoß nahm, um meinen Geldbeutel herauszuholen. Anschließend, bin ich zurück in dieses Geschäft, um meine unabsichtliche Missetat zu beichten und den Schlüsselanhänger zurück zu geben. Dort würde ich allerdings nur doof angemacht. Kein Dankeschön, nichts.

    Wie du gestern auf Twitter mitbekommen hast, hätte ich etwas Probleme mit dem Essens-Lieferdienst und habe 1 Stunde und 50 Minuten auf mein Essen warten müssen. Als der Bote dann kam, sah ich, dass er mir Salat und Pommes überreichte, die ich gar nicht bestellt hatte. Ich muss zugeben, dass ich in diesem Fall nichts gesagt habe. Da war ich einfach zu sauer um gutmütig zu sein.

    Gruß von NichtDieMama
    (Diemamanicht.wordpress.com)

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  10. Ich sehe das wie du! Wenn ich eine Brieftasche finde, gebe ich sie im Fundbüro ab, ist ein Identitätshinweis drin, bringe ich sie (wenn möglich) vorbei oder versende sie.

    Schwierig ist es wenn es nicht zuzuordnen ist. Wir haben letztens unterwegs mal einen 5€-Schein gefunden. Tja wohin damit. Was sagte der Große: "Mama bei McD stehen doch immer die Dinger mit dem Kleingeld herum mit dem Gesicht drauf! Wir können das doch beim nächsten Mal da mit spenden!"
    Haben wir gemacht.

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