Freitag, 26. Dezember 2014

Unser Wunder am Ende des Winters

Liebe Leser,

Weihnachten, Familie, die echte, reine Freude unserer wundervollen Tocher - ich bin in besinnlicher Stimmung.

Da fiel mir ein, dass die liebe Béa Beste mich letztens fragte, warum ich eigentlich Endwinterwunder heiße. Ich habe das schon mal bei einem Blogstöckchen erzählt, aber es passt sehr gut auch nochmal direkt hier her. Ich warne schon malvorher: es wird sicherlich kitschig und ich muss ausholen. Ihr könnt auch einfach nur den letzten Absatz lesen, das erklärt den Namen schon ganz gut.


Für meinen Mann und mich stand schon mit 18 fest, dass wir mal gemeinsam ein Kind haben wollen, aber erst wollten wir unsere Ausbildungen beenden, ein bisschen arbeiten... Acht Jahre später, als wir dann (wirtschaftlich - vom Herzen schon viel eher) bereit waren, wollte mein Körper nicht mitspielen. Ein weiteres Jahr und eine OP später durfte ich dann auf diesen kleinen blauen Streifen schauen.

Die ersten 12 Wochen sollte ich mich nur vorsichtig freuen, weil mir keiner versprechen konnte, dass es eine "stabile Schwangerschaft" war. Mir war viel schlecht, ich nahm ab anstatt zu und ich dachte, diese Mutterbandschmerzen hauen mich um. Aber es war alles gut und ich spürte das kleine Leben in mir schon früh herumzappeln. Das hätte mich auf das Leben mit einem Flummi vorbereiten sollen! Bis zur Feindiagnostik war ich ein paar Wochen einfach nur glücklich schwanger.

Dann stellte sich heraus, dass die Dopplerwerte zu wünschen übrig ließen. Auf gut Deutsch bedeutet das, dass die Venen, die die die Gebärmutter und somit das Kind mit frischem Blut versorgen, schlecht durchblutet sind. Auf Berlinerisch: dit Kind krischt nüscht zu essen und nich jenuch Sauerstoff! 

Natürlich wuchs das Baby ohne ausreichend Versorgung nur noch sehr zurückhaltend und die Ärzte fürchteten sich sehr vor einem durch Sauerstoffmangel ausgelösten Gehirnschaden. Den Rest der Schwangerschaft musste ich alle zwei Wochen, am Schluss alle zwei Tage durch die halbe Stadt zur Kontrolle. Bis zu diesem einen Satz: "Egal, was Sie heute noch vor hatten, wir bekommen hier heute Ihr Kind!"

In diesem Jahr, war der Winter eigentlich schon auf dem Rückzug gewesen, doch als ich unter Wehen aus dem Krankenhausfenster sah, tanzten wieder vereinzelte Flöckchen vom Himmel, erst ganz zart, dann immer heftiger - genau, wie meine Wehen. Ich werde nie vergessen, wie ich da stand, in diesem entzückenden Krankenhausnachthemd, den Schneesturm beobachtete und hoffte, dass alles gut gehen würde.

Nach neun Stunden Wehen sackten bei jeder Weiteren die Herztöne ab. Man untersuchte, rief den Stationsarzt, der rief den Oberarzt, alle liefen hektisch herum, bis der Oberarzt sich zu mir setzte und sehr ruhig erklärte: "Es geht Ihrem Baby allen Werten zufolge noch gut, aber ich habe kein gutes Bauchgefühl bei der Sache. Wäre es für Sie ok, wenn wir jetzt einen Kaiserschnitt machen würden?"

Zum Glück war noch genug Zeit, für eine Spinalanästhesie und so bekam ich alles live mit. Der Mann saß die ganze Zeit an meinem Kopf, die Ärzte ruckelten an mir herum. 

"Schatz, sie ist da!", hauchte ich. Er sah mich irritiert an: "Woher willst Du das denn..." RABÄÄÄHH! Das ersehnteste und wundervollste Rabäh der Welt! Sie hatte es geschafft! Sie hatte sich die Nabelschnur so ungünstig um den Hals geschlungen gehabt, dass sie sich bei jeder Wehe halb erwürgte. Sie war blau, mein Gott, war sie blau, aber sie atmete und schrie und sie war perfekt.

Als man sie mir in den Aufwachraum brachte und auf meine Brust legte, fing sie sofort an zu saugen und ich sagte, dass sie ihren Weg schon machen wird, wenn sie sofort weiß, worauf es ankommt - erstmal was essen - und ich konnte sie einfach nur anschauen, ihre winzigen Händchen und zauberhaften Öhrchen streicheln und ich dachte: "Wahnsinn, das ist jetzt unsere! Die dürfen wir mit nach Hause nehmen und die geben wir niemals wieder her!"

Sie musste dann noch zwei Wochen in der Neonathologie bleiben, weil sie ein paar kleine Startschwierigkeiten hatte, aber für mich war sie einfach nur perfekt und ein kleines Wunder! Ein Wunder mit Hand und Fuß!




Das wir dieses Wunder erleben durften, beendete den Winter für uns und brachte und Licht, Wärme und viel, viel Farbe in unser Leben. Dafür bin ich dankbar an jedem einzelnen Tag, an dem ich ihr reines, klares Lachen hören darf. Und aus dieser Dankbarkeit heraus nenne ich mich Endwinterwunder.

Hui, das war jetzt sehr persönlich. Ich wünsche Euch einen wundervollen zweiten Weihnachtsfeiertag und eine ruhige Zeit zwischen den Jahren zum Krafttanken.

Liebste Grüße
Eure Endwinterwunder



1 Kommentar:

  1. Wunderschön. Danke für deine Geschichte. Ich bin gerührt. Liebe Grüße, Nico

    AntwortenLöschen